Wenn ich sage, dass ich Horror schreibe, denken die meisten zuerst an Blut, an Monster, an den Moment, in dem etwas ins Bild springt. Das ist eine Spielart des Genres, aber nicht meine.

Mich interessiert der Horror, der leise anfängt. Ein Satz in einem Tagebuch, der ein bisschen falsch klingt. Ein Geruch, den man nicht einordnen kann. Ein Wald, in dem keine Vögel mehr rufen. Nichts davon ist im ersten Moment bedrohlich. Es wird es erst, wenn man begreift, dass es schon eine Weile so ist und man es nur nicht bemerkt hat.

Atmosphärischer Horror arbeitet mit Zeit statt mit Tempo. Er baut kein Schreckgespenst auf, sondern ein Unbehagen. Der Schreckmoment ist nach zwei Sekunden vorbei. Das Unbehagen liegt abends noch da, wenn man das Buch längst zugeklappt hat. Genau das will ich erreichen: nicht den Sprung, sondern den Nachhall.

Dazu gehört auch, dass die Figuren wichtiger sind als das Grauen. In MOLDOW geht es vordergründig um ein evakuiertes Dorf. Eigentlich geht es um zwei Brüder und darum, was das Schweigen ihrer Mutter mit ihnen gemacht hat. Der Ort verstärkt nur, was ohnehin schon da war.

Und es gehört dazu, dass ich diese Geschichten in Deutschland ansiedle. Der Stoff liegt vor der Haustür: leere Höfe, Straßen, die im Feld enden, Gegenden, aus denen die Menschen weggegangen sind und aus denen niemand nachrückt. Man muss dafür nicht nach Neuengland.

Am Ende ist das meine Definition von gutem Horror: Es passiert nicht viel, und man kann trotzdem nicht aufhören zu lesen. Und wenn man fertig ist, sieht man eine ganz normale Landschaft für einen Moment anders an.